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Das Hotel "Kilkenny Inn" war zwar klein; aber sehr fein und vor allen Dingen sauber. Aus dem Auto nahmen wir nur das Nötigste mit, weil wir ja nur eine Nacht blieben. Jetzt duschten wir schnell, um noch etwas von dieser schönen Stadt zu sehen.
Malerisch am River Nore gelegen, hat die Stadt den Touristen einiges zu bieten. Der größte Blickfang ist die 800 Jahre alte, normannische Burg, in der sich die attraktive Porträtssammlung der "Butler - Familie" von 1390 und 1935 befindet. Übrigens entstammte die englische Prinzessin "Diana" dieser uralten Familie.

Der mittelalterliche, guterhaltene Stadtkern von Kilkenny wird auch sehr gepflegt. Mehrere Kirchengebäude verschönern die Stadt. Über 85% der irischen Bevölkerung sind römisch-katholisch. Dabei überragt jedoch die frühgotische, anglikanische "St. Canice´s Cathedral" alle anderen Gebäude. Interessant ist noch, dass das Chorgestühl aus dem Jahre 1904, eine genaue Kopie des Gestühls der Kathedrale von Brügge in Belgien ist.
Im 20. Jahrhundert war die Stadt in Irland im Kunsthandwerk führend. Von 1640 bis 1650 war Kilkenny die Hauptstadt der Insel. Heute hat die Kernstadt etwa 9.000 Einwohner. Die Stadt ist außerdem für ein ausschweifendes Nachtleben bekannt.
Dann gibt es noch die "Kilkenny Brauerei" (orig. Name: "St. Francis Abby Brewery"). Sie stellt ein herbes, hochprozentiges Bier her, das weltbekannt wurde. Heute gehört die Brauerei dem großen "Guinness" Konzern. Der Nachteil für uns bestand aus der Tatsache, dass sich die Bierbrauer direkt neben unserem Hotel befanden. Niemanden brauche ich wohl erklären, was dies für feinfühlige Nasen bedeutet. Die Richtung des Windes entschied, wie stark man von dem ekligen Geruch betroffen wurde. Nur für das Foto unten öffneten wir ein Fenster, das wir jedoch blitzschnell wieder schlossen.

Vor einigen Jahren besuchten wir die Hauptstadt Dublin. In diesem Zusammenhang besichtigten wir die "Guinness" Brauerei. Bei der Werksführung teilte man uns damals mit einem gewissen, sozialen Stolz mit, dass Anwohner in einem vorgegebenen Umkreis mietfrei dort leben, weil die Brauerei den Mietzins zahlt. Diese "Großzügigkeit" muss man natürlich mit der überaus starken Geruchsbelästigung in Verbindung bringen. Apropos Geruchsbelästigung: Als ersten EU - Land führte Irland schon im Jahre 2004 ein totales Rauchverbot in öffentlich, zugänglichen Gebäuden ein.
Langsam neigte sich der Tag seinem Ende zu. Der Hunger meldete sich, sodass wir nach einem Restaurant Ausschau hielten. Gerade standen wir am Eingang eines Lokales und lasen die Menükarte, als uns ein älterer Mann ansprach. "Das beste Essen gibt es hier in der "Kyteler´s Inn" in der Kieran Street. Es ist nicht weit von hier, etwa hundert Yards in dieser Richtung, dann die nächste Straße rechts, Sie sehen sofort das Restaurant auf der linken Seite. Sie haben dort zivile Preise. Viele Touristen besuchen das Lokal." Wir bedankten uns und folgten seiner Empfehlung.
Der Mann hatte nicht zuviel versprochen. Das Restaurant war sehr voll. Trotzdem führte uns eine freundliche Bedienung zu einem freien, kleinen Tisch für zwei Personen. An den Gesprächen der Gäste erkannten wir, dass es sich fast ausschließlich um Amerikaner handelte. Im Hintergrund bemühte sich eine kleine, dreiköpfige Band, den Zuhörern die gewöhnungsbedürftige, irische Folklore näher zu bringen. Das bekannteste Instrument der irischen Musik ist die Fiddle (Geige). An zweiter Stelle rangiert die Flöte. Nach meinem mäßigen Musikverständnis, werden bei der Folklore die Instumente zu "wild" gespielt und erzeugen für meinen empfindlichen Gehörgang wenig Genuss. Die irische Musik, mit einem Hauch der Melancholie, gefällt mir persönlich sehr viel besser.
Nachdem wir die hervorragenden Steaks verzehrt hatten, saßen wir noch eine Weile vor unserem "Kilkenny" - Bier. Das Getränk erinnerte uns daran, dass wir eventuell in der kommenden Nacht, nicht wie gewohnt, bei geöffneten Fenstern schlafen konnten. Unser Pessimismus bestätigte sich nicht, der Wind hatte sich gedreht.
Gutgelaunt wachten wir am Freitagmogen auf. Die Zufriedenheit hielt aber nur wenige Sekunden an, da unsere Nasen erneut diesen widerlichen Gestank aus der Brauerei wahrnahmen. Der Wind war zur vorherigen Richtung zurückgekehrt.
Nach dem Frühstück packten wir unsere Siebensachen und brachten sie zum Auto. Da wir erst am Nachmittag zum Hotel nach Borris fahren wollten, blieb uns noch Zeit, ein wenig mehr von Kilkenny zu erkunden. Den hoteleigenen Parkplatz durften wir bis zu unserer Abreise benutzen, erklärte uns der freundliche Manager, mit einem jovialen Ausdruck im Gesicht.
Im vorletzten Satz spreche ich von Kilkenny "erkunden". Für Grace bedeutete es, die vielen, kleinen Geschäfte aufzusuchen und darin herumzustöbern. Manchmal ging ich mit hinein, doch meistens setzte ich mich draußen auf eine Bank und beobachtete die vielenTouristen. Angeblich suchte Grace schon jetzt kleine Geschenke, die wir für Verwandte und Freunde mitbringen wollten. Gerade kam sie aus einem Laden heraus und hielt schon wieder Ausschau nach dem nächsten Geschäft. Bei mir beschränkte sich die Suche nach einer anderen, nahegelegenen Bank.
Plötzlich tauchte ein lachendes Gesicht vor uns auf. "Na, wie hat euch das Restaurant "Kyteler´s Inn" gestern gefallen?" Es handelte sich um den älteren Mann, der uns gestern das Lokal empfohlen hatte. Bei den vielen Menschen auf den Straßen, wirkte es fast wie ein Wunder, dass wir uns erneut trafen. Wir bedankten uns noch einmal für seinen gestrigen Rat und verabschiedeten uns. Nachdem meine bessere Hälfte "allen" Geschäften (ein wenig übertrieben) ihre Aufwartung gemacht hatte, machten wir uns auf den Weg nach Borris, wo ja morgen die Hochzeit gefeiert werden sollte.
Anfang 2005 stellte man in Irland auf das metrische System um. Das heißt, Entfernungen werden jetzt in Kilometer angegeben. Bis Borris waren es genau 26 Kilometer. Die Struktur der Straßen hat man so gegliedert:
Motorway Abkürzung (M) Autobahn Höchstgeschwindigkeit 120 km/h
National Road dito (N) Bundesstr. dito 80 km/h
Regional Road dito (R) nachrangig dito 80 km/h
Local Road dito (L) Vorsicht geboten dito 80 km/h

Bis zu unserem Ziel befuhren wir eine Regional Road, wo uns Kühe, Schafe, Pferde und viele Schlaglöcher das Leben schwer machten. Nach fast einer Stunde trafen wir am "Hotel Stephouse" in Borris ein.
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