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"Ja dann mal los“, rief ich und drückte mich kräftig ab. Ich hörte noch, wie meine Frau mit besorgter Stimme zu Sarah sagte: „Pass´gut auf Papa auf“, dann musste ich meine komplette Konzentration darauf verwenden, nicht zu stürzen.
Natürlich ließ ich mir nichts anmerken.
Ich stand auf Inlinern, weil Sarah es so wollte. „Kannst du nicht mal mit mir zur Rampe am Kindergarten fahren“, fragte sie. „Es ist ganz einfach.“
„Was heißt: ganz einfach? Du meinst: Für mich ganz einfach. Für einen wie mich, der deiner Meinung nach lieber langsam machen sollte...“
„Na ja“, sagte Sarah, „es ist nur gerade Strecke, da kann nicht viel passieren.“
Ich schnaubte kurz, staubte meine Inliner ab und versuchte sie anzuziehen. Das war schon ein Akt. Wie eng diese Dinge sind... Ruckzuck stand mir der Schweiß auf der Stirn.
„Mensch, Papa“, sagte Sarah, als sie meine Bemühungen sah. „Du musst die Inliner aufmachen.“ Sie beugte sich runter und öffnete einen Riemen. Danach ging es super-einfach.
Kurze Zeit später kamen wir an den Rampen am Kindergarten an. Meiner persönlichen Einschätzung nach schwebte ich die 800 Meter geradezu über den Asphalt. Und das mit beträchtlicher Geschwindigkeit. Warum ich auf dem Weg ein paar Mal meine Tochter mit verschränkten Armen wartend am Straßenrand sah, entzieht sich meiner Kenntnis... Wahrscheinlich hat sie einfach schnellere Skates!!
An der Rampe wollte ich dann keine Zeit verlieren. „Papa, mach´ langsam“, rief Sarah, aber da war ich schon oben angekommen. Ohne große Pause wollte ich den kleinen Hügel wieder hinabschießen – da passierte es. Irgendwo muss ein Stein gelegen haben, der sich zwischen meine Räder setzte... Jedenfalls verlor ich das Gleichgewicht und saß Bruchteile von Sekunden später auf dem Hosenboden. Es würde nicht ganz der Wahrheit entsprechen, wenn ich behaupten würde, das kleine Malheur hätte mir keine Schmerzen bereitet: aber natürlich tat ich, als sei nichts passiert.
Sarah auch.
Aus den Augenwinkeln sah ich, dass ein anderes Mädchen auf Inlinern an uns vorbei fuhr. Es war eine Klassenkameradin von meiner Tochter. Oh Gott. Sarah würde es ja nicht zugeben, sie ist gut erzogen... Aber wahrscheinlich hat sie sich in diesem Moment gewünscht, der Boden möge sich auftun und sie könnte in einem großen Loch verschwinden. Da fährt sie einmal mit ihrem Vater zu den Rampen – und dann das.
„Hast du dir weh getan“, fragte sie und kam auf mich zu.
„Alles klar“, brachte ich mannhaft heraus.
Wir fuhren dann noch eine Weile, ich ziemlich langsam, um nicht zu sagen: sehr langsam und sehr vorsichtig.
Neulich dann wollte Sarah wieder zu den Rampen. Mit Inlinern und mit ihrer Freundin. Ich sollte einen kleinen Film drehen und deshalb mitkommen. „Am Besten nimmst du das Auto“, sagte Sarah und schenkte mir einen mitfühlenden Blick. „Allein schon wegen der Hitze heute...“
Ich glaube, mir blieb auch gar nichts anderes übrig. So weit ich weiß, habe ich keine Inliner mehr.
Sarah und meine Frau haben sie versteckt.
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 Menschenskinder, das ist das pralle Leben. Ein Vater berichtet regelmäßig über Kind und Kegel. Ähnlichkeiten mit anderen Familien wären rein zufällig, sind aber nicht ausgeschlossen.
 Ingo Latotzki Redakteur„Bitte räum’ endlich dein Zimmer auf!“ „Später.“ „Nein, sofort!“ „Ach, Papa...“ So oder ähnlich klingt es schon mal, wenn sich Vater und Tochter unterhalten. Oder Mutter und Tochter. Der Sohnemann spricht noch nicht so viel, er ist erst anderthalb und braucht deshalb sein Zimmer noch nicht aufzuräumen, obwohl er es gerne durcheinander bringt. Die Welt ist ungerecht.

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