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Mittwoch, 21. Juli 2010
Romantisches Treffen...

Vergangenes Wochenende waren Sarah und ich wieder beim traditionellen Vater-/Kind-Zelten am Dürener Badesee. Es war das siebte Mal. Ich kann mich noch gut an die Anfänge erinnern: Sarah, sie war noch keine sechs, und ich spielten die zwei Tage Federball, gingen Schwimmen, ich fragte nach dem Essen, ob sie satt sei und nachts schaute ich ein paar Mal, ob sie auch gut zugedeckt ist.
Das sieht heute alles ein wenig anders aus. Ich bin älter geworden, aber vor allem ist Sarah älter geworden.
„Ich will heute Abend mit Marcel zum Drei-Meter-Brett schwimmen und den Sonnenuntergang anschauen“, sagte sie mir am ersten Tag.
Es war heiß, die Sonne brannte auf meinen Kopf, zunächst dachte ich nicht richtig gehört zu haben.
Sarah ist elf, Marcel zwölf.
„Wie bitte?“, fragte ich.
„Papa, da ist ja wohl kein Problem. Der Drei-Meter-Turm ist doch nicht weit weg. Außerdem kommen noch andere mit.“
„So, so“, sagte ich. „Und wer passt auf euch auf? Damit ihr nicht untergeht?“
„Papa, bitte!“
„Also, ist alles kein Problem“, sagte ich, „ich schwimme dann hinter euch her, damit einer in der Nähe ist, falls ihr müde werdet.“
„Ha, ha, ha.“ Sarah verzog das Gesicht. „Papa, da ist doch nichts dabei, wir wollen doch einfach nur dahin schwimmen.“
Bevor es so weit sein sollte, gab es noch Abendessen. Wir saßen in größerer Runde zusammen, auch Marcel war dabei. Keine Ahnung warum, aber plötzlich sprachen wir über Filme. Erst im Allgemeinen, dann im Speziellen. Marcel, ein Junge aus gutem Hause, berichtete, welche Gruselfilme er schon gesehen habe. Es ging um dunkle, feuchte Schlösser, Leprakranke und abgeschlagene Köpfe. Hätte er bei einem Freund gesehen.
„Kenne ich auch“, sagte Sarah plötzlich. Ich zuckte zusammen. „Was kennst du?“
„Den Film mit den Köpfen.“
„Woher?“ Einen kurzen Moment hoffte ich, dass ich mich zum zweiten Mal verhört hatte an diesem Tag – aber es war nicht so.
„Den habe ich auf Jennys Geburtstag bei ihrer Übernachtungsparty gesehen...“
„Aha“, sagte ich. „Und deren Eltern?“
„Keine Ahnung“, sagte Sarah, „die haben das bestimmt gar nicht gemerkt...“
„So, so...“ Mehr sagte ich nicht mehr, wozu auch, es gibt Dinge, die kann man nur schwer bis gar nicht verhindern, man müsste die Kinder sonst einsperren... Und fest steht: Weder Marcel noch Sarah machen den Eindruck, als hätten sie diesen mehr als fragwürdigen Film nicht verkraftet.
„Das guckst du aber nicht noch mal“, sagte ich und schaute zum Himmel. Es hatte sich zugezogen, dunkle, schwere Wolken hingen über dem See. Wind kam auf, dann blitzte und donnerte es – als hätte der Wettergott unsere Gespräche über Gruselfilme belauscht.
Kurz darauf ging ein mächtiger Regenguss nieder. Ich hatte nichts dagegen: Sarahs abendlicher Ausflug zum Drei-Meter-Brett fiel ins Wasser.
Obwohl ich einem harmlosen romantischen Treffen vielleicht noch zugestimmt hätte.
Schließlich gibt es Nachtsichtgeräte...

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Menschenskinder, das ist das pralle Leben. Ein Vater berichtet regelmäßig über Kind und Kegel. Ähnlichkeiten mit anderen Familien wären rein zufällig, sind aber nicht ausgeschlossen.
Ingo Latotzki
Redakteur

„Bitte räum’ endlich dein Zimmer auf!“ „Später.“ „Nein, sofort!“ „Ach, Papa...“ So oder ähnlich klingt es schon mal, wenn sich Vater und Tochter unterhalten. Oder Mutter und Tochter. Der Sohnemann spricht noch nicht so viel, er ist erst anderthalb und braucht deshalb sein Zimmer noch nicht aufzuräumen, obwohl er es gerne durcheinander bringt. Die Welt ist ungerecht.

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