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Donnerstag, 29. Juli 2010
"Hast du mal ´nen Zehner?"

Die neue
Jogginghose...
Die Zeiten, in denen Sarah sich mit einer Freundin verabredete, um mit Straßenkreide schöne Bilder auf den Bürgersteig zu malen und danach noch einen Pfannkuchen zu essen, sind vorbei. Lange vorbei. Heute geht Sarah mit ihren Freundinnen gerne shoppen. Wobei: Es muss nicht immer eine Freundin sein, es darf auch schon mal ein Freund sein...
„Was, mit Kai willst du shoppen gehen? Was wollt ihr denn einkaufen, ihr habt doch schon alles“, sagte ich.
„Manno, Papa, wir gucken doch nur mal, mehr nicht.“
„So, so“, sagte ich, „ihr guckt nur mal... Du und Kai.“ Den Namen Kai betonte ich ganz besonders.
„Ja, Papa, und keine Angst. Kai und ich sind nur Kumpel. Mehr nicht.“
„Aha, da bin ich ja beruhigt“, sagte ich, grinste und gab Sarah einen kleinen Klaps. Sofort schaute sie sich um, ob das irgendjemand beobachtet haben könnte. Ihr peinlicher Vater...
Der höchst selbst durfte sie aber Samstagmorgen in die Stadt fahren – zum Shoppen mit Kai. Im Auto spielte sich folgendes Gespräch ab.
„Papa. hast du mal ’nen Zehner?“
„Nee, ich bin pleite“, sagte ich.
„Papa, bitte...“
„Ist so, ich hab’ nichts mehr.“
„Ich dachte doch nur, dass du mir etwas zum Shoppen dazu gibst. Ich spare doch gerade...“
Ich zog die Augenbrauen hoch: „Du sparst? Ja, dann musst du doch Geld haben.“
„Ich spare für die Annakirmes.“
Ich nickte. Das war so. Sarah ist quasi mit einem Kirmes-Gen geboren, vor knapp zwölf Jahren, genau in der Woche, als der Rummel war. Da konnte man nicht viel machen...
Seitdem fiebert sie der Kirmes entgegen als gäbe es kein Morgen. Achterbahn, Breakdance – alles kein Thema. Neulich fragte sie ihre Patentante, ob sie nicht mit ihr auf die Achterbahn gehen könnte. Mit einem Augenzwinkern flüsterte sie: „Das ist nämlich nichts mehr für Papa.“ Das kleine Wörtchen mehr überhörte ich geflissentlich, schließlich haben wir Sarah erzogen, ab und an auch mal keck zu sein.
Das aber nur am Rande.
Die erneute Frage meiner Tochter holte mich in die aktuelle Wirklichkeit zurück. „Kannst du mir denn ein bisschen dazutun?“
Richtig, sie wollte ja mit Kai shoppen.
Ich gab ihr das Geld, ich bin ja kein Unmensch. Als Sarah zurück war, zeigte sie mir, was sie so gekauft hatte: eine Jogginghose (Sonderangebot), eine CD für zwei Euro und – einen Kerzenständer. „Der ist für euch“, sagte sie. „Passt doch schön ins Wohnzimmer.“
Ich war gerührt. Brave Tochter. Fast war ich geneigt, ihr noch einmal zehn Euro für die Annakirmes zu geben. Damit müsste sie mich dann aber auf die Achterbahn einladen.
Ich würde mitfahren, noch ist das was für mich...
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 Menschenskinder, das ist das pralle Leben. Ein Vater berichtet regelmäßig über Kind und Kegel. Ähnlichkeiten mit anderen Familien wären rein zufällig, sind aber nicht ausgeschlossen.
 Ingo Latotzki Redakteur„Bitte räum’ endlich dein Zimmer auf!“ „Später.“ „Nein, sofort!“ „Ach, Papa...“ So oder ähnlich klingt es schon mal, wenn sich Vater und Tochter unterhalten. Oder Mutter und Tochter. Der Sohnemann spricht noch nicht so viel, er ist erst anderthalb und braucht deshalb sein Zimmer noch nicht aufzuräumen, obwohl er es gerne durcheinander bringt. Die Welt ist ungerecht.

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