Lokales / Aachen

«Twittern»: Weltrevolution oder laues Lüftchen?

Von Robert Flader | 18.11.2009, 22:56

Aachen. Auch wenn vieles noch nicht abschließend einschätzbar ist: Zumindest die Bedienung ist ein echtes Kinderspiel.

Man braucht wahrlich kein Internet-Spezialist zu sein, um zu «zwitschern», lediglich einen (Spitz-)Namen samt E-Mail-Adresse.

Via «Twitter» (deutsch: «Zwitscher») kann man wirklich alles mitteilen. «Wichtiges oder Unwichtiges, das ist egal», sagt Frank Szymkowiak, Leiter der Medienforschung vom Kölner Rheingold-Institut, bei einem Vortrag vor rund 100 Mitgliedern des Marketing-Clubs Aachen. «Twitter dient vielen als Möglichkeit, um soziale Kontakte aufzubauen.»

Deutschlandweit gibt es rund 250.000 Twitterer, «die mindestens 100 sogenannte «Follower» haben, also Menschen, denen sie ihre Neuigkeiten mitteilen», wie Szymkowiak erklärt. Dabei seien von der Hausfrau, über den Studenten, den Azubi oder den Konzernchef «wirklich alle Schichten und auch Altersklassen vertreten.»

Internationale Popularität erlangte «Twitter» im vergangenen Jahr, als sich etwa der damalige US-Präsidentschafskandidat Barack Obama mit Kurzbotschaften über das Internet seine potentiellen Wähler wissen ließ, wo er gerade auf Wahlkampftour war. «Der Vorteil ist, dass man in Echtzeit weiß, was der andere gerade macht - und umgekehrt.»

Twitter sind sehr schnell

Viele Meldungen über Ereignisse, wie die Airbus-Notlandung Anfang des Jahres auf dem New Yorker Hudson River oder der Amok-Lauf von Winnenden seien zuerst via «Twitter» erschienen, sagt Szymkowiak. Vorbei an den klassischen Medienkanälen verlaufe die Nachrichtenverteilung über die neue Kommunikationsform. «Da macht schnell das Wort vom Bürgerjournalismus die Runde.» Gerade diese «unbewusste Verheißung», «das Beteiligtsein am Weltgeschehen», wie Szymkowiak das Phänomen beschreibt, sei ein wesentlicher Grund für die steigende «Twitter»-Begeisterung.

Doch wie stehen die «Twitter»-Chancen im Marketing-Bereich? «Das ist nicht einfach vorauszusagen», sagt Szymkowiak. «Diese Kommunikationsmöglichkeit ist im Gegensatz zu anderen Web 2.0-Plattformen wie Facebook oder Blogs im Endeffekt doch zu beliebig», glaubt er, dass «Twitter» in Punkto Werbung keine Chance hat.

«Man kann nur mit Substanz, zum Beispiel mit einer Videobotschaft, jemanden von etwas überzeugen oder auch angreifen.» Und das gehe nicht mit den maximal nur 140 Zeichen, die dem Benutzer bei «Twitter» zur Verfügung stünden. «Aber noch ist dieses Produkt zu neu, um die langfristigen Marketing-Chancen richtig voraussagen zu können», so Szymkowiak.

Gerade mit prominenten «Twitterern» für Produkte oder Marken zu werben, sei äußerst schwierig. «Dafür hat man einfach zu wenig Platz.» Langfristig müsse sich erst noch herausstellen, ob das «Zwitschern» eine kommunikative Weltrevolution sei oder eben doch nur ein kurzes, laues Lüftchen.



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