Lokales / Aachen

Schönheitskur für Schattenlagen der City

Von Oliver Schmetz | 12.03.2010, 18:59

Aachen. Das Viertel liegt im Herzen der Stadt, doch an manchen Stellen sieht es dort eher aus wie im Hinterhof. In der heruntergekommenen Richardstraße mit ihren beschmierten Fassaden zum Beispiel, wo es eine große, teils verwahrloste und weitgehend ungenutzte Freifläche gibt.

Oder gleich nebenan an der Ecke Gottfriedstraße/Martin-Luther-Straße, wo eine kleine steinerne Spielfläche zu vielem einlädt, aber bloß nicht zum Verweilen. Oder die Ecke Lothringerstraße/Harscampstraße mit ihrem düsteren kleinen Platz, auf dem die paar Spielgeräte eher wie Hohn wirken.

Es sind einige Schattenlagen der Innenstadt, denen jetzt eine Schönheitskur winkt. Zwar nicht sofort, aber doch wenigstens im Laufe der nächsten fünf, sechs Jahre. Aufgewertet werden sollen das Suermondtviertel und der Bereich um Gasborn, Promenadenstraße und Synagogenplatz - also im Grunde das innerstädtische Dreieck zwischen Heinrichsallee, Wilhelmstraße, Theaterstraße, Friedrich-Wilhelm-Platz und Peterstraße. Vor gut drei Jahren hatte die damalige rot-grüne Mehrheit das beantragt, jetzt liegt die vom Dortmunder Büro «Stadtidee» erstellte Rahmenplanung vor. Am 25. März wird der städtische Planungsausschuss darüber beraten.

Eine breite Mehrheit scheint der Idee jetzt schon sicher. Denn auch der neue Koalitionspartner der Grünen, die CDU, ist mit im Boot: «Wir wollen das Projekt gemeinsam vorantreiben», erklärt die planungspolitische Sprecherin der Christdemokraten, Maike Schlick, - und sagt dies gemeinsam mit ihren Kollegen Norbert Plum (SPD) und Michael Rau (Grüne). Die breite Mehrheit kann allerdings trotzdem nicht sofort den Turbo zünden, was am fehlenden (Förder-)Geld liegt: Erst ab 2014 können Städtebaufördermittel in diesen Bereich der Innenstadt fließen, denn in den Jahren zuvor werden diese zu einem großen Teil in Richtung Route Charlemagne abgeleitet.

Doch immerhin will die Stadt bis dahin jährlich 50000 Euro aus eigenen Mitteln zur Verfügung stellen. Dass das allenfalls für kleine kosmetische Korrekturen reicht, wissen auch die Politiker. Ein deutliches Zeichen sei es dennoch, meint Rau: «Es ist sehr ungewöhnlich, dass wir ein Projekt mit eigenen Mitteln schon einmal anschieben, für das es noch keine Fördermittel gibt.» Und dass damit auch ein klares politisches Zeichen gesetzt werden soll, unterstreicht Plum mit Blick auf die nicht unumstrittene Kaiserplatz-Galerie: «Wir wollen zeigen, dass es hier nicht nur um den Einzelhandel, sondern auch um die Bürger des Viertels geht.» Davon gibt es zwar immer noch knapp 5000, doch ist die Bevölkerungszahl im Viertel in den vergangenen 30 Jahren um 15 Prozent gesunken. «Diese Tendenz wollen wir stoppen», sagt Plum.

Generell sieht der Rahmenplan vor, die drei sehr unterschiedlichen Quartiere des Gebiets in ihren Eigenheiten zu betonen, aber auch besser miteinander zu verknüpfen. Gemeint sind mit den Quartieren das gründerzeitliche, teils gutbürgerliche Wohnquartier Suermondtviertel, die Einkaufsmeile Adalbertstraße mit ihren teils boomenden, teils unscheinbaren Passagen und der Multikulti-Bereich Gasborn mit seiner Mischung aus Galerien, Geschäften, Nachtleben und Rotlichtmilieu. Das beste Verbindungspotenzial schreiben die Planer da künftig einer «Suermondt-Gasborn-Promenade» zu, die das ganze Viertel von Süd nach Nord - von der Theaterstraße bis zur Heinrichsallee - durchläuft und an der kleine und größere Plätze wie Perlen an der Schnur aufgereiht sind: ein neuer «Harscampplatz», der Suermondt-Platz, der Willy-Brandt-Platz, der Synagogenplatz - all das soll neu entstehen oder aufgewertet werden. Außerdem soll ein «Bildungsquartier» zwischen Berufskolleg, Grundschule Beeckstraße und Suermondt-Ludwig-Museum entstehen. Auch dahinter verbergen sich neue Plätze, verschönerte Schulhöfe, mehr Aufenthalts- und Begegnungsqualität. Und später sollen unter anderem noch eine Kulturroute und eine Kreativroute folgen - Details dazu sollen wie auch schon die Rahmenplanung unter enger Bürgerbeteiligung entwickelt werden.

In dieses Bild passt auch, dass von diesem Jahr an 10000 Euro in einen Quartierfonds fließen, mit dem bürgerschaftliche Aktivitäten gefördert werden. Davon könnten Straßenfeste profitieren oder Grundschüler, die ihren Schulhof verschönern. «Das wären klassische Beispiele, die wir sofort unterstützen würden», sagt Rau. Ansonsten sehen die Sofortmaßnahmen nur kleinere Arbeiten - etwa zur Beleuchtung und Bepflanzung von Plätzen - vor. Mit 50000 Euro pro Jahr kann man eben nur kleckern, nicht klotzen. Doch ab 2014 sollen dann Millionen in die Schönheitskur für die Schattenlagen im Herzen der Stadt fließen.



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