Lokales / Aachen

SPD ist da besonders stark, wo kaum einer zur Wahl geht

Von Robert Esser | 10.05.2010, 19:54

Aachen. Auch wenn radikale Parteien keine Rolle spielten und Düsseldorf ein Patt plagt, weist das Ergebnis der Landtagswahl in Aachen durchaus extreme Zahlen auf. Die mit Abstand wenigsten Stimmen erzielten die ddp (Deutsche Demokratische Partei) und die rechtslastige BGD - jeweils acht Öcher machten dort ihr Kreuzchen.

Dagegen räumte die Piratenpartei mit dem Rückenwind der kaiserstädtischen Studenten in den Wahlkreisen I (4,15 %) und II (3,1 %) landesweite Rekordwerte ab. Immerhin 120.000 nordrhein-westfälische Wähler bescherten den Piraten letztlich 1,54 %.

Deutlich weniger der insgesamt 175.979 Wahlberechtigten im Westzipfel zog es überhaupt an die Urnen: exakt 109.156 Menschen (62,03 %), drei Prozent weniger als 2005. 1985 und 1990 lag die Wahlbeteiligung noch über 73 %. Das ist lange vorbei. Zumal 2010 auch noch jede hundertste Stimme - zähltechnisch! - unbrauchbar war. Besondere Schwierigkeiten im Umgang mit dem Wahlzettel hatten wohl Wähler der Oberen Stolberger Straße. In der SPD-Hochburg waren satte fünf Prozent der Stimmen ungültig.

Apropos Hochburg: Die Union schnitt am besten im Höfchensweg (53,38 %) und in den Briefwahlbezirken Steinebrück (53%) sowie Colynshofstraße (52,41%) ab. Negativrekord: die Düppelstraße mit 7,24 % CDU-Anhängern. Am Kennedypark gab´s gleichzeitig einen Minuswert bei der Wahlbeteiligung: Nur jeder Vierte (25,67 %) gab seine Stimme ab. Dort im Nordosten, wo die Politikverdrossenheit offenbar besonders dramatisch ist, fuhr die SPD ihre besten Ergebnisse ein: 44,58% in der Hüttenstraße, 44,25 % in der Unteren Haarener Gracht, 43,15 % im Eisenbahnweg und 41,78 % an der Unteren Elsassstraße. Gerade mal 12,03 % kassierten die Sozialdemokraten hingegen in der CDU-Hochburg Höfchensweg.

Der Siegeszug der Grünen beginnt traditionell im Frankenberger Viertel. Jeder dritte Wähler in der Frankenberger Straße votierte grün (32,35 %). Über 30 % der Stimmen gab´s zudem in der Warmweiherstraße, Oppenhoffallee, Mittleren Bismarckstraße, am Steppenberg, im Briefwahlbezirk Frankenberg und in der Beethovenstraße. Keinen Fuß auf den Boden bekommen sie indes in der Hüttenstraße: 6,2 %. Im Gegensatz zur Linken: Die erzielte dort ihren Rekordwert von 20,4 %. Die FDP erzielte ihr bestes Resultat im Briefwahlbezirk Colynshofstraße (14,76 %).

Nach Stadtbezirken sehen die Parteihochburgen so aus: Die CDU dominiert vor allem in Kornelimünster/Walheim (38%), Richterich (37,3%) und Brand (37%). Aber auch in Eilendorf, Haaren, Laurensberg und Aachen-Mitte liegen die Christdemokraten ausnahmslos vor der politischen Konkurrenz. Am stärksten zeigt sich die SPD noch in Eilendorf (33,1%) und Haaren (31 %). Und immerhin jeder fünfte Wähler aus Aachen-Mitte und Laurensberg bevorzugt die Grünen (20,4 %) - auch das ist absolut rekordverdächtig.

Beim Vergleich der Landtagswahl mit den Aachener Ergebnissen der Kommunal- und Bundestagswahlen 2009 fällt auf, dass die CDU das Niveau der Bundestagswahl halten konnte. Allerdings würde das Landtagswahlergebnis - bezogen auf den Aachener Stadtrat - eine rot-grüne Mehrheit ermöglichen. Verantwortlich dafür sind die starken Grünen und der Abwärtstrend der Liberalen.

Allein nach den Aachener Wählerstimmen hätte sich keine Patt-Situation in Düsseldorf ergeben.



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