Lokales / Aachen

RWTH Aachen bietet Vorlesungen über Webplattform iTunes an

Von Thorsten Karbach | 14.01.2009, 21:37

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Aachen. Pathologie ist billiger als Mariah Carey. Jedenfalls im iTunes-Store der Firma Apple, also dem Internetangebot, in dem der US-Konzern vor allem Musik zum Runterladen anbietet. Für einen aktuellen Hit müssen Käufer 99 Cent zahlen, die Vorlesung Pathologie an der RWTH gibt es kostenlos.

Denn die RWTH ist seit Dienstagmorgen, Punkt 6 Uhr, auf iTunes U vertreten, einer Sparte der gigantischen Plattform. Sie ist damit eine von nur vier deutschen Hochschulen der ersten Stunde, kaum ein Dutzend gibt es in Europa. «Wir sind in einem sehr elitären Kreis», sagt Professor Jan Oliver Borchers.

Die Geschichte der neuen RWTH-Präsentation ist auch die Geschichte von Professor Borchers. 2002 lehrte er als Professor an der renommierten US-Universität Stanford, damals war iTunes U in der Testphase und Stanford mit im Geschäft. Der Apple-Firmensitz liegt in Sichtweite der Uni. Hier hat er die Testphase mit Spannung verfolgt. Als er 2003 nach Aachen wechselte - Borchers ist Inhaber des Lehrstuhls für Medieninformatik -, war iTunes U in den USA schon eine große, schillernde Internetwelt. Alle großen Universitäten - von Yale bis Berkeley - waren frühzeitig präsent.

Borchers war fasziniert. So sehr, dass er schon 2003 einen Brief an Apple schickte und sein Interesse an iTunes U für die RWTH formulierte. Es passierte nichts. Doch das enge Verhältnis des Lehrstuhls zum Konzern und der gute Ruf der RWTH-Informatiker brachte Borchers und die iTunes-U-Macher im Herbst wieder an einen Tisch. Dann ging alles ganz schnell. Professor Christian und Michael Gebhardt (Rechenzentrum), E-Learning-Experte Professor Ulrik Schröder, Toni Wimmer von der RWTH-Pressestelle, Borchers und sein Mitarbeiter Daniel Spelmezan setzten sich zusammen. Schon im Dezember waren die ersten Daten bei Apple.

Neben der RWTH sind die LMU München, die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und das Hasso-Plattner-Institut Potsdam zum Start dabei. Bis auf die Potsdamer Hochschule sind es allesamt «Elite»-Unis. «Es sind nur ein paar Auserwählte», sagt Borchers. Für die RWTH ist es einerseits ein Service für die Studierenden, andererseits ein neues PR-Instrument. «Diese Plattform wird sehr stark wahrgenommen. Wir glauben, dass wir uns international so sichtbarer machen», sagt Kanzler Manfred Nettekoven. Deswegen sind unter den ersten rund 200 Beiträgen auch Werbe- und Präsentationsfilme der Hochschule.

Für die Studierenden ist es vor allem ein komfortabler Weg - mit der nötigen Technik -, Vorlesungen am Rechner oder gar auf einem «iPod» also einem tragbaren Mediaplayer zu verfolgen. Über einen solchen Spieler ließe sich eine Informatikvorlesung auch bei der Zugfahrt nach Dortmund noch einmal verfolgen. Teilnehmerschwund in den Vorlesungen sei dabei nicht zu erwarten. «Das liegt immer daran, wie gut eine Vorlesung ist», sagt Borchers.
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