Lokales / Dren

Ministerpräsident Jürgen Rüttgers auf Stimmenfang in Düren

Von Jörg Abels und Christoph Lammertz | 15.04.2010, 20:00

Düren. Schilder werden in die Höhe gereckt, aus den Lautsprechern schallt «Don´t stop, thinking about tomorrow»: Doch es ist nicht Bill Clinton, der Fleetwood Mac Klassiker schon bei seiner Wahlkampagne anno 1992 einsetzte, sondern Dr. Jürgen Rüttgers.

Der NRW-Ministerpräsident betritt in diesem Moment unter dem Applaus von rund 300 Gästen und in Begleitung der CDU-Landtagskandidaten Rolf Seel und Josef Wirtz das Haus der Stadt. Keine Zweifel: Die Amerikanisierung des Wahlkampfes hat auch die NRW-CDU erreicht. Und die Botschaft der musikalischen Untermalung ist angesichts nicht gerade euphorisch stimmender Umfragewerte der CDU unmissverständlich: «Noch ist die Wahl nicht entschieden: Wir dürfen nicht aufhören, an Morgen zu denken, müssen weiter kämpfen. Die Erfolge von gestern zählen nichts mehr - «Yesterdays gone».

Die CDU setzt in diesem Wahlkampf voll und ganz auf ihren Ministerpräsidenten: «Rüttgers stark wählen» lautet eine der Botschaften auf den Schildern der zum Spalier angetretenen Mitglieder der Wahlkampfteams der beiden hiesigen Kandidaten - «Stabil statt Rot-Rot» die andere. Sie zeigt die Stoßrichtung des Wahlkampfes an. «Nordrhein-Westfalen darf nicht zum Versuchsfeld von Rot-Rot werden», rief Rolf Seel den Gästen zu - Applaus brandet auf, geleitet Jürgen Rüttgers zum Rednerpult.

Der Landesvater leitet seinen Wahlkampfauftritt sehr persönlich ein. Schließlich beschleichen ihn im Kreis Düren echte Heimatgefühle. Familiäre Wurzeln hat er im Neffelbachtal, «einem der großen touristischen Zentren der Region», wie er scherzhaft anmerkt. Rüttgers gibt sich verbindlich, grüßt Vettweißer und «Möscheme, falls heute ein paar hier sind». Knapp 300 Zuhörer führt er danach schnell von der Auftaktstimmung «Witzig» zum Part «Nachdenklich». «Viele in der CDU glaubten, es sei alles schon klar, weil unsere Bilanz gut ist und NRW einen Riesenschritt nach vorne gemacht hat. Aber dennoch steht es auf des Messers Schneide, ob wir weitermachen dürfen.» Drei Faktoren seien dafür ausschlaggebend, sagt Rüttgers. Das neue Wahlsystem mit Erst- und Zweitstimme lasse manchen Wähler über Leihstimmen nachdenken, bis zu 40 Prozent der Menschen im Land wüssten laut Umfragen noch nicht, dass am 9. Mai eine Wahl ist, und es deute viel darauf hin, dass die Linken in den Landtag einziehen werden.

An dieser Stelle steht der Wechsel zur Stimmung «Kämpferisch» an. Rüttgers spricht lauter, energischer, gestikuliert mehr. «Wir haben gezeigt, dass wirtschaftliche Vernunft und soziale Gerechtigkeit sich nicht ausschließen, sondern zwei Seiten einer Medaille sind», ruft er den Menschen im Saal zu. Trotz Finanz- und Wirtschaftskrise habe das Land heute noch 235.000 Arbeitslose weniger als zu seinem Amtsantritt vor fünf Jahren. Rüttgers erinnert an die Einstellung von über 8000 neuen Lehrern, die zu einer Halbierung der Ausfallstunden geführt habe, an den Ausbau von Ganztags- und U3-Plätzen und daran, «dass wir Gottseidank bei unserem Grundsatz geblieben sind: Soziale Marktwirtschaft ist vernünftig».

Diese Erfolge bittet Rüttgers seine Zuhörer «an die Familie, bei der Arbeit oder über den Gartenzaun» weiterzutragen. «Damit unser schönes Nordrhein-Westfalen weiter stabil bleibt», wechselt der Landesvater zur Abschlussstimmung «pathetisch». Das passt dann auch zur gemeinsam gesungenen Nationalhymne, mit der der Wahlkampfauftritt des Ministerpräsidenten nach einer kurzen Dankesrede von Josef Wirtz ausklingt. Allerdings nicht ganz. Denn als Rüttgers nach langem Beifall den Saal in Richtung seines für die Wahlkampftour mit übergroßem Konterfei beklebtem Hightech-Reisebus verlässt, erklingt durch die Lautsprecher wieder Fleetwood-Mac-Evergreen. «Don´t stop, thinking about tomorrow» - höre nicht auf, an morgen zu denken, oder in diesem Fall an den 9. Mai, wenn sich entscheidet, ob Jürgen Rüttgers wie einst Bill Clinton eine zweite Amtszeit bekommt.



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