Lokales / Eschweiler

«Aktiv gegen Rechts» webt ein Netz

Von Andreas Röchter | 01.11.2009, 16:00

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Eschweiler. «Im Jahr 2008 gab es im Raum Aachen 383 rechtsextremistische Straftaten. Wir haben Probleme in der Region und sind vom Rechtsextremismus herausgefordert.»

Kurt Heiler von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten machte gleich zu Beginn der ersten Regionalkonferenz «Aktiv gegen Rechts» deutlich, wie dringend notwendig der Kampf gegen Rechtsradikalismus ist.

Die Konferenz fand am Samstag in der Städtischen Gesamtschule Eschweiler statt und führte zahlreiche Initiativen und Bündnisse gegen Neonazis zusammen. «Unser Ziel muss die Vernetzung der Initiativen und Bündnisse sein», betonte der Antifaschist Heiler.

Dies unterstrich auch die Politik, die unter anderem durch Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram, der die Schirmherrschaft übernommen hatte, sowie durch Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp und Stolbergs Verwaltungschef Ferdi Gatzweiler vertreten war.

«Wir wollen hier aus Eschweiler ein Signal senden. Die Zusammenarbeit aller Demokraten ist wichtig, weil wir durch sie nicht nur reagieren, sondern die Initiative ergreifen und Gesicht zeigen können», erklärte Rudi Bertram.

«Gemeinsam handeln»

Auch für Marcel Philipp ist «Präsenz zeigen» Gebot der Stunde. «Dabei spielt es keine Rolle, wer welche Arbeit im Kampf gegen Rechtsradikalismus tut, solange wir alle in die gleiche Richtung gehen.»

Auch Ferdi Gatzweiler beschwor gemeinsame Aktivitäten und erinnerte an Zeiten, in denen solche nicht möglich waren: «Es ist ein Quantensprung, dass alle Demokraten an einem Strang gegen Neonazis ziehen, die eben diese Demokratie zerstören wollen. Wenn wir gemeinsam handeln, haben Neonazis keine Chance.»

In der anschließenden Podiumsdiskussion, die Jutta Geese, Redakteurin unserer Zeitung, leitete, wurde die Vielschichtigkeit der Themen Rechtsradikalismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit deutlich.

Vor allem Dirk Vogelskamp von der Initiative «Komitee für Grundrechte und Demokratie» stellte dabei die Rolle des Staates in Frage. «Neonazis werden vom Staat instrumentalisiert, um beispielsweise das Versammlungsrecht zu schleifen.»

Während sich Zuhörer aus dem Plenum für ein Verbot der NPD aussprachen, sieht Dirk Vogelskamp in der rechtsextremen Partei nicht die größte Gefahr für die Demokratie. Diese sei vielmehr durch einen latenten Rassismus, der bis in die Mitte der Gesellschaft reiche, gefährdet.

«Menschenverachtende Aussagen wie die von Thilo Sarrazin finden nicht nur beim stumpfen Neonazi Anklang, sondern in weiten Teilen der Bevölkerung, bis hin zu den sogenannten Leistungsträgern der Gesellschaft.»
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