Lokales / Heinsberg

Anne Frank bei vielen Häftlingen unbekannt

Von Petra Wolters | 04.09.2009, 17:52

Heinsberg. «Das ist das Schulfoto von «41», sagt Marcel (21). Er muss es wissen. Der junge Inhaftierte in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Heinsberg ist einer von acht Führern durch die Ausstellung «Anne Frank - eine Geschichte für heute», die in dieser Woche im Zentrum der Einrichtung zu sehen war.

Die deutschsprachige Version der internationalen Wanderausstellung des Anne Frank-Hauses Amsterdam ist derzeit unter der Leitung des Anne Frank-Zentrums in Berlin auf Tournee durch deutsche Gefängnisse. Auf insgesamt 36 Tafeln zeigt die reich bebilderte Schau in verschiedenen Perioden zwischen 1929 und heute das Leben der Familie Frank und ihres sozialen Umfelds. Hinzu kommt ein knapp 30-minütiger Dokumentarfilm.

In der JVA Heinsberg war Pädagogin Viktoria Meier auf das Angebot des NRW-Justizministeriums aufmerksam geworden und hatte die Koordination des Projekts übernommen. Und das hieß für sie auch, Inhaftierte zu finden, die bereit waren, sich als Ausstellungsführer ausbilden zu lassen. Denn dies ist Teil des Ausstellungsprojekts. Acht junge Häftlinge beteiligten sich an der vierwöchigen Vorbereitung.

Schon bei der Eröffnung durch Anstaltsleiterin Ingrid Lambertz und den evangelischen Pfarrer Günter Rosenkranz beeindruckten sie die anwesenden Besucher. «Junge Männer in Grün erzählen begeisternd und zugleich tief betroffen von ihren Erfahrungen mit 'einer Geschichte', die Bedeutung auch für ihr eigenes Leben hat», schrieb Rosenkranz ihnen anschließend ins Gästebuch. «Ich finde es klasse, dass ihr euch mit diesem Thema 'auch im Knast' befasst habt», lobte sie hier Michael Schmitt, Leiter der Oberbrucher Hauptschule, der mit einer zehnten Klasse in der Ausstellung war.

Darüber hinaus sahen rund 150 in Heinsberg Inhaftierte die Präsentation. Vor allem die ausländischen Gefangenen hätten dabei sehr großes Interesse gezeigt, berichtet Amadeus (18), der ebenfalls als Führer aktiv war. Über die Geschichte des Nationalsozialismus mehr zu erfahren, sei für sie vielleicht wichtig gewesen im Zusammenhang mit dem Thema Ausländerfeindlichkeit, vermutet er.



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