Lokales / Nordkreis

Minijob und Teilzeit: Arm trotz Arbeit

Von Nina Krüsmann | 25.07.2010, 16:13

Herzogenrath. 40 Frauen aus sechs Nationen waren eine Woche im Nell-Breuning-Haus zu Gast, um sich anlässlich des europäischen Jahres der Armutsbekämpfung über die teils prekäre Lage auf dem Arbeitsmarkt auszutauschen. Thema der 5. Sommerakademie war die Frage, welche Herausforderungen prekäre Arbeitsformen in einem sozialen Europa darstellen.

Die Sommerakademie ist ein alle zwei Jahre stattfindendes Treffen von Frauen aus ganz Europa, die in leitenden Funktionen in Katholischen Arbeitnehmerbewegungen (KAB) tätig sind. «Unsere bisherigen Treffen fanden in deutschsprachigen Gebieten wie der Schweiz, Südtirol und Österreich statt. Nun sind wir erstmalig in Deutschland. Mit Herzogenrath haben wir einen wunderbaren Veranstaltungsort gefunden», betont Leiterin Mechthild Hartmann-Schäfers.

Zunehmend im Hintertreffen

Die Lage in der Euregio und der Strukturwandel in der Region seien wichtige Anknüpfungspunkte zur Diskussion. «Unser Ziel ist, Frauenthemen stärker in die Verbandsarbeit einzubringen», betont die Leiterin. Seit 1993 beleuchtet das Internationale Frauennetzwerk der KAB Deutschlands, Österreichs, der Schweiz und Südtirols die Perspektiven und Probleme von Frauen in der Arbeitswelt.

«Arm trotz Erwerbsarbeit» war das Thema des ersten Tages, an dem Dr. Michaela Moser einen Überblick über Ursachen und Entwicklungen der prekären Arbeit gab. Auch Bürgermeister Christoph von den Driesch hieß die Damen an diesem Morgen willkommen.

«Die erschreckende Prekarisierung der Arbeit ist nicht allein ein Frauenproblem. Aber wir bemerken, dass besonders die weiblichen Arbeitnehmer durch Minijobs und Teilzeitarbeit zunehmend ins Hintertreffen geraten», beschreibt die KAB-Bundesvorsitzende Birgit Zenker die Problematik.

Um Armut bei Frauen, vor allem im Alter, zu bekämpfen seien drei Schritte notwendig. «Die Politik muss sich konkret mit der Frage nach einem Mindestlohn auseinandersetzen. Zudem brauchen wir ein europaweit bedingungsloses Grundeinkommen», sagt Zenker. Das dritte Instrument sei die Ausgabe eines gewissen Prozentsatzes des Bruttosozialprodukts für Soziales.

«Hier in Herzogenrath wird Europa für die Frauen erfahrbar. Bei einem Spaziergang durch Eurode nach Kerkrade tauschten wir uns über die Probleme im Grenzland aus», berichtet Hartmann-Schäfers, die betonte, dass Arbeitslosigkeit und Armut nicht nur weit weg in Afrika, sondern auch vor der Haustür existent sind. «Gute Arbeit verdient einen gerechten Lohn», darüber sind sich alle einig.

Neben der Erkundung Aachens begaben sich die Teilnehmerinnen auch auf einen Ausflug nach Brüssel, wo sie unter anderem das Europäische Parlament besuchten. Die Frage, wie wir in Europa leben und arbeiten wollen, steht im Mittelpunkt eines kreativen Workshops. Bei Lese- und Filmabenden kommt auch das Kulturelle nicht zu kurz.

Referent Wilfried Wiesen präsentierte den Damen das «Europäische Sozialmodell», das Wege zu einem sozial gerechten Europa vorsieht.

Ziel des Treffens ist keine Resolution für die Schublade, sondern die Erarbeitung von konkreten Ergebnissen. «Wir wünschen uns, dass die Frauen als Multiplikatoren inhaltliche Impulse für ihre Arbeit mitnehmen. Wir planen bis zum nächsten Treffen unter anderem eine Wanderausstellung mit den Künstlerbüchern», sagt Hartmann-Schäfers.



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