Lokales / Nordkreis

Katzen, Katzen, Katzen: Das Tierheim quillt bald über

Von Denise Petzold und Georg Dünnwald | 29.07.2010, 17:20

Aachen. Mausi weinte ganz bitterlich. Die Katze mit dem unangebrachten Namen steckte in einem verschlossenen Umzugskarton vor dem Eingangstor des Tierheimes. Die ganze Nacht muss der kleine Stubentiger dort verbracht haben, ehe ihn die Tierpfleger morgens ganz erschöpft fanden.

Mausi ist leider kein Einzelfall. Immer wieder, vor allem in den Sommerferien, werden Haustiere mitleidslos einfach im Nirgendwo ausgesetzt, angebunden oder im Tierheim abgegeben. Damit hat das Tierheim im Moment erhebliche Probleme. 180 Katzen befinden sich zur Zeit in den vier Katzenhäusern, das sind knapp 100 zuviel. Trotzdem bemühen sich die wenigen Pfleger, den Ansprüchen der Tiere gerecht zu werden: «Der Platz fehlt uns für die sensiblen Tiere. Trotzdem werden sie von uns natürlich gut versorgt», sagt Birgit Wintersteller-Kordic, Tierschutzbeauftragte des Tierschutzvereins der Region Aachen.

Die Anzahl der Tiere, die von verantwortungslosen Mitmenschen abgeschoben werden, wächst von Jahr zu Jahr. «Die Leute haben kein Gewissen mehr. Die schaffen sich nach dem Urlaub einfach einen neuen Hund oder eine neue Katze an.» Auch Meerschweinchen, Hamster, weiße Mäuse und auch Hausratten müssen das Schicksal ertragen, abgeschoben und ungewollt das weitere kurze Leben im Tierheim hinter Gittern verbringen zu müssen.

Eine harte Nuss für das Tierheim, denn die bedürftigen und oft geschwächten Tiere dürfen nicht einfach abgewiesen werden. «Anstatt fünf bis sechs Euro am Tag für eine Tierpension zu zahlen, werden die Tiere wie Abfall weggeworfen», wirft Birgit Wintersteller-Kordic diesen Zeitgenossen sowohl Vergnügungssucht als auch Geiz vor.

Die Leute würden immer erfinderischer, schicken sogar andere vor, oftmals werden die eigenen Haustiere als Fundtiere ausgegeben: «Es sind vor allem unsere Fragen, mit denen sich die Tierhalter nicht auseinandersetzen wollen.» Zudem weise das Tierschutzgesetz erhebliche Lücken auf, die zuständige Behörde könne nur etwas gegen auffällige Besitzer tun, wenn deren Tiere auch ernsthaft erkrankt wären. Denn manchmal kommt es vor, dass dreiste Halter mehrmals auftauchen, um ihr Tier loszuwerden.

Die Helfer geben sich alle Mühe, die Tiere zu pflegen und weiterzuvermitteln. Bis an den Rand der Erschöpfung arbeiten sie. Sie wählen sich am Telefon die Finger wund und schieben einen Berg von Überstunden vor sich her. Und das, obwohl sie schon Vollzeit arbeiten. Ehrenamtliche Helfer werden deshalb dringend gesucht. Mausi geht´s jetzt gut. Sie ist bei einer Familie in einem Reihenhäuschen und Garten mit drei Kindern und einem Hund untergekommen.



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