News / Kultur

Hamlet-Generation läuft in Turnschuhen

Von Armin Kaumanns | 28.09.2009, 15:18

Mönchengladbach. Schön ist es im neuen Mönchengladbacher Theater im Nordpark, kurz TiN: Außen pfui, innen hui. Ein paar Schritte nur vom Parkplatz der Fußball-Bundesliga-Arena, an fiesen Zäunen vorbei, muss man sich schon überwinden, über eine Lkw-Laderampe die hässliche Halle zu betreten.

Dann aber ist alles nett und ganz und gar frei von jeder Spießigkeit. Der Theaterraum hat bei seiner Feuertaufe noch mit akustischen Problemen zu kämpfen. Vielleicht waren auch die Schauspieler davon verunsichert, als gelungen kann «Hamlet» jedenfalls nicht gelten.

Regisseur Thorsten Duit ist kaum etwas eingefallen zu dem Shakespeare-Drama. Er gefällt sich vielmehr darin, die Schauspieler weitgehend steif dastehen zu lassen, während sie ihren Text aufsagen. Da hilft es auch nicht, dass statt der ollen Schlegel- die freche Schanelec-Gosch-Übersetzung die Grundlage der Inszenierung ist.

Kaum ein Mitglied des Ensembles erreicht über den Rauschpegel der Entlüftung den hinteren Teil des Saales. Nicht nur Sprechtechnik, auch eine geistige Durchdringung des Textes, geschweige ihre Äußerung in Rhythmus, Melodie wird schmerzlich vermisst. Hier wird demnächst dezente Beschallungstechnik zum Einsatz kommen müssen.

Dabei spielen die Akteure so gut wie immer an der Rampe, denn Bühnenbildner Michael S. Kraus hat das erstaunlich große Bühnenhaus mit Metallkäfigen zugestellt, die vor der Skyline Helsingörs (das sieht verdächtig nach New York oder Frankfurt aus) wie Zuwege im Raubtierkäfig hin- und hergeschoben werden können. Rechts und links dienen zwei Speckstein-Throne Claudius und Gertrud als Aufenthalt, wenn sie nicht gerade hinter Gittern bei Rotlicht aneinander rumfummeln.

Laertes mit Hippie-Mähne

Dass Königsmörder Claudius auch nur andeutungsweise mit seinen Schattenseiten in Beziehung steht, merkt man dem Spiel Christopher Wintgens´ ebenso wenig an wie dem von Ines Krug, die Hamlets Mutter Gertrud mütterlich-matronenhaft anlegt. Floriane Kleinpaß trägt als Ophelia sehr jung und schön hübsches Blümchenkleid und rote Schuhe, das Schlussbild dekoriert sie blutüberströmt im weißen Brautkleid. Als ihr Bruder Laertes nuschelt Adrian Linke mit frankophiler Hippie-Mähne und durch die Szenerie.

Allenfalls der Hamlet von Frederik Leberle ist akzeptabel, selbst wenn er zum berühmten Monolog über Sein oder Nichtsein sich eine Pistole an die Schläfe halten muss. Die einzige von Shakespeares Zauber inspirierte Figur dieser Inszenierung scheint der Geist des toten Königs zu sein, dem Ralf Beckord Präsenz verleiht.

Bis dann am Ende so ziemlich alle tot sind, hat Joachim Hensch-ke in der Rolle des Schauspielers einen imposanten Auftritt, Sven Seeburg als Polonius stirbt mit großem Knall aber so wie sein Spiel: im Hintergrund. Wenn Duits Arbeit überhaupt etwas will, dann am ehesten noch sich beim jungen Publikum einschmeicheln: Die Hamlet-Generation läuft lässig-modisch in Turnschuhen herum, im Gegensatz zu den Anzugträgern; Popmusik sorgt gern und immer mal wieder für Stimmung, und die Strichfassung bringt es auf angenehm kurze zweieinhalb Stunden.

Nächste Aufführungen: am 9., 10., 13. und 18. Oktober. Infos unter 02166/6151100.
Ticketshop: Hier gibt es Karten



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