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Familie lebt in Angst vor Neonazi-Schlägerbande

Von Michael Klarmann | 16.11.2009, 17:59

Aachen. Viel geschlafen hat Verena Meier (Name von der Redaktion geändert) in den vergangenen Nächten nicht.

Am Samstag fand sie einen Aufkleber einer Neonazigruppe auf ihrem Briefkasten. Zweimal hatten Neonazis in der vergangenen Woche Aufkleber auf Laternenmasten in ihrer Straße in Oberforstbach verklebt. Zuerst dachte sie, es richte sich gegen Migranten in der Nachbarschaft.

Doch dann sah sie die Wand eines Nachbarhauses. Dort war mit grüner Farbe und drei Meter lang gesprüht: «Das Maul stopfen nie wieder Komonismus grüße KAL». Eingeleitet wurde die Parole mit dem Namen ihres 17-jährigen Sohnes.

«KAL» ist das Kürzel der Neonazi-Schlägerbande «Kameradschaft Aachener Land». Die «KAL» ist die größte Neonazi-Gruppe in der Region. Sie ist eng mit der NPD verwoben, ihr «Kameradschaftsführer» aus Vettweiß (Kreis Düren) ist zugleich zweiter stellvertretender Vorsitzender des NPD-Kreisverbandes Düren.

«KAL»-Leute, teils schon durch Gewalttaten und Bedrohungen aufgefallen, fungierten bei den Kommunalwahlen im Bereich Düren und Stolberg als NPD-Kandidaten.

In Stolberg besprühten die Neonazis zuletzt Wahlplakate des Bürgermeisters mit Hassparolen. Auch in Kornelimünster, Eilendorf, Rothe Erde und Laurensberg kam es kürzlich zu «KAL»-Sprühaktionen.

Besorgte Mutter

Verena Meier fragte sich, warum ihr Sohn ins Visier der Neonazis geriet. Er hatte sich etwa am 31. Oktober an den Protesten gegen den Neonazi-Aufmarsch in Aachen beteiligt, der sich zynischerweise «gegen linke Gewalt» richtete.

Freunde ihres Sohnes, sagt die besorgte Mutter, verkehrten in der linken Szene. Möglicherweise reichte das aus, dass auch der 17-Jährige zum Hassobjekt für die Neonazis wurde.

Denn unterdessen weiß die Familie, dass es nicht die erste Sprühaktion war. Schon vor einer Woche hatte man auf eine Bushaltestelle gesprüht: «Wir machen dich kalt KAL.» Auch hier stand zu Beginn der Parole der Namen des 17-Jährigen.

Dass die erste Parole kaum aufgefallen war, lag daran, dass eine Reinigungsfirma der Verkehrsbetriebe die Haltestelle noch am selben Tag säuberte. Die von der «KAL» verklebten Aufkleber, in denen man den «Nationalen Sozialismus» fordert und Nazigegner mit Affen vergleicht, haben Verena Meier und Anwohner teils selbst abgekratzt. Um den Rest kümmert sich nun die Polizei.

Behördensprecher Michael Houba sagte, dass die Polizei wegen Sachbeschädigung und Bedrohung ermittelt. Verena Meier indes sorgt sich nicht nur um ihren Sohn. Die Familie selbst lebt in Angst davor, dass die Neonazis noch weiter gehen und auch sie angreifen.

Den 17-Jährigen will sie vorerst nur noch mit dem Privatwagen zur Schule bringen. Zudem hat die Familie ihre Nachbarschaft darüber informiert, dass sie von Neonazis tyrannisiert wird. Mit der Bitte, künftig bei ungewöhnlichen Beobachtungen unverzüglich den Notruf der Polizei anzurufen.




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