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Stolberg: 18-jähriger Tatverdächtiger gesteht

Von unserem Redakteur Jürgen Lange | 06.04.2008, 16:57

Stolberg. Einen schnellen Fahndungserfolg hat die Mordkommission des Aachener Polizeipräsidenten nach der tödlichen Messerattacke auf einen 19-Jährigen aus Eschweiler verbucht. Die Staatsanwaltschaft bestätigte am Sonntag gegenüber unserer Zeitung, dass bereits am Samstag ein 18-Jähriger aus Stolberg als Tatverdächtiger festgenommen wurde. Der Ermittlungsrichter am Aachener Amtsgericht erließ auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehl. Der 18-Jährige wurde in die Untersuchungshaft überstellt. Er wurde in Stolberg geboren und ist formal ohne Nationalität. «Er hat die Tat weitestgehend eingestanden», erklärte Oberstaatsanwalt Robert Deller. Er betonte, dass die Motive weder einen politischen noch rassistischen Hintergrund hatten. Ausschlaggebend seien persönliche und private Gründe gewesen, die bereits in vorangegangenen Disputen zu Tage getreten sein sollen. In der Nacht zum Samstag war der 19-jähriger aus Eschweiler kurz vor 23 Uhr auf der Birkengangstraße niedergestochen worden.

Das Opfer sei noch über den Kreuzungsbereich der Einmündungen von Rhein-Nassau-Weg und «Am großen Rad» geschwankt, berichtete ein Augenzeuge. Vor der Garagenzufahrt des Hauses Nr. 12 sei es dann zusammengebrochen. Der junge Mann habe Stichverletzungen im Oberkörper gehabt.

Nach der Erstversorgung am Tatort wurde der 19-Jährige ins Bethlehem-Krankenhaus eingeliefert, wo die Ärzte sein Leben aber nicht mehr retten konnten.

Vor der Tat hatte der 19-Jährige die Gaststätte Klimbim auf der Mühle besucht, wo der NPD-Kreisverband seine Jahreshauptversammlung abhielt. Er sei aber kein Mitglied der Partei gewesen, erklärte der an dem Abend wiedergewählte Kreisvorsitzende Willibert Kunkel. Allerdings habe ihn ein 17-jähriges NPD-Mitglied auf dem Heimweg begleitet.

Die NPD begann noch am Abend eine Mahnkundgebung zu organisieren, die am Mittag in der Innenstadt erfolgte. 170 Teilnehmer der rechten Szene reisten dazu aus der Region, vor allem aber aus dem Ruhrgebiet und der Rhein-Schiene in Stolberg an.

Die Polizei zog starke Kräfte aus dem ganzen Land in Stolberg zusammen. Fünf Züge und weitere Kräfte von Einsatzhundertschaften aus Köln, Bonn, Bochum, Essen, Gelsenkirchen und Dortmund sowie die Bundespolizei zeigten starke Präsenz und sorgten für einen friedlichen Ablauf der Veranstaltung.

Zu einem Zwischenfall kam es allerdings bei der Anreise rechter Demonstranten auf dem Mühlener Bahnhof, als die Polizisten mit Pfefferspray angegriffen wurden. Während der Agitator festgenommen wurde, erlitten sieben Beamte leichte Verletzungen - sechs durch Pfefferspray und einer durch den Biss eines Diensthundes.

Die rund 100 mit der Bahn angereisten Demonstranten wurden von der Polizei durch die Blau- und Bierweiderstraße eskortiert, wobei die Zugteilnehmer lauthals rechtsextreme Parolen skandierten. Vor der Gaststätte Klimbim formierte sich dann der rund 170 Teilnehmer starke Trauerzug, der schweigend zum Tatort auf der Birkengangstraße von der Polizei begleitet wurde. Dort wurden Kerzen angezündet und Blumen niedergelegt, bevor Kunkel, der Dürener NPD-Kreisvorsitzende Ingo Haller, Sven Skoda aus der Düsseldorfer rechtsextremen Szene sowie ein so genannter «Autonomer Nationalist» das Wort ergriffen.

Dabei wurde unter anderem die Herausgabe des Festgenommenen gefordert, worauf die Polizei sich aber nicht einließ. Nach einiger Zeit formierte sich gegen 15.10 Uhr der Rückmarsch in Richtung Mühle, bei dem wieder rechte und ausländerfeindliche Parolen lauthals skandiert wurden. Vor der Gaststätte Klimbim wurde die Versammlung aufgelöst. Die Polizei eskortierte die angereisten Teilnehmer zum Mühlener Bahnhof und weiter mit der Euregiobahn zum Hauptbahnhof. Dort übernahm die Bundespolizei die weitere Eskorte im Regionalexpress nach Köln.

Polizeipräsident Klaus Oelze machte sich persönlich vor Ort ein Bild des Einsatzes; der Aufmarsch habe für seinen Dienstbereich eine erstmals erlebte Dimension erreicht. Er hält an seiner Linie fest: «Nach wie vor habe ich die feste Absicht, jedes rechtlich zulässige Mittel zu ergreifen, um zu verhindern, dass unsere Region für Personen dieser Couleur attraktiv wird.»

Die Polizei war am Samstagabend weiterhin mit mehreren Beamten in der Stolberger Innenstadt präsent.



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