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«Wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut»

(dpa/tka) | 12.11.2008, 14:00

Aachen. Knapp 600 Schüler haben am Mittwoch nach Polizeiangaben mit einem Demonstrationszug in Aachen unter dem Motto «Kostenlose und gute Bildung» gegen die «Bildungsmisere» an deutschen Schulen demonstriert. Sie beteiligen sich an bundesweiten Schulstreiks in 30 Städten unter dem Motto gegen schlechte Lernbedingungen. Das Schülerbündnis «schulaction» hatte Schüler an weiterführenden Schulen dazu aufgerufen. Die Schüler protestierten gegen Lehrermangel und die Verkürzung der Abiturzeit auf acht Jahre.



Nach Angaben der Stadt Aachen hatte die Bezirksregierung Köln die Schulen über die geplanten Streiks informiert. Demnach durften Schüler nicht für die Demonstration freigestellt werden. «Eine Beurlaubung darf nur aus wichtigen Gründen erfolgen», sagte ein Sprecher der Stadt. Falls Schüler wegen der Demonstration den Unterricht schwänzten, sei es Sache der Schulen, wie sie damit umgingen.

Die Stimmung war schlecht unter den Aachener Schülern, die in einem Demonstrationszug vom Elisenbrunnen quer durch die Stadt zum Münsterplatz zogen. «Wir sind wir, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut», riefen sie, ein paar hatten Plakate oder Schilder. Aber nur wenige.

Doch die Schüler waren nicht nur laut: Weil die Polizei die Demonstranten nicht zum Kaiser-Karls-Gymnasium ziehen lassen wollten, gab es Ärger zwischen ein paar abenteuerlustigen Schülern an der Polizeisperre am Augustinerbach. Dabei stürzte ein 15-jähriges Mädchen und verletzte sich an der Hand.

800 Teilnehmer hatten die Organisatoren - ein Aktionsbündnis aus Schülern mit Unterstützung der Linksjugend - bei der Polizei angemeldet. Rund 600 Schüler wurden es, die kamen dafür auch aus Würselen, Geilenkirchen und Baesweiler.

In Köln berichteten zahlreiche Schüler, ihre Lehrer und Eltern unterstützten die Aktion. «Wir tun das ja auch zur Erleichterung der Lehrer», sagte Moritz Tütting (13) vom Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Köln.

In Bonn schwenkten die Schüler Transparente mit Aufschriften wie «Wir sind keine Versuchskaninchen für Bildungsexperimente» oder «Füllt die Schulkassen statt die -klassen». «Wir Schüler werden mit dem Turbo-Abi, Kopfnoten und überfüllten Klassen total überfordert», klagte ein Gesamtschüler. Die Veranstalter in Bonn sprachen von 2000 Teilnehmern aus allen Schulformen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die bundesweiten Schülerproteste begrüßt. Schüler wie Lehrer benötigten «gute Schulen und gute Lernbedingungen», teilte die GEW- Vize-Vorsitzende Marianne Demmer am Mittwoch mit. In zahlreichen Städten schwänzten am Vormittag zehntausende Schüler den Unterricht und demonstrierten für bessere Bildung. Demmer appellierte in ihrer Erklärung an Bildungsministerien und Schulleitungen, keine Strafen gegen die Schüler zu verhängen. Proteste und Demonstrationen gehörten zu einer Demokratie.

Die Forderungen der Schüler deckten sich mit vielen Vorschlägen der GEW, erklärte Demmer. Auch die GEW setze sich für die Verwirklichung von mehr Chancengleichheit für alle Jugendlichen ein. «Das hierarchisch gegliederte, selektive Schulsystem muss überwunden, alle Schüler sollen individuell gefördert werden», so Demmer. Dafür benötige man gut ausgebildete Lehrer, kleinere Klassen und mehr Ganztagsschulen.

Das Aktionsbündnis Gegliedertes Schulwesen warnte dagegen vor einer Unterstützung der Schulstreiks. Die Aufrufe dazu zeigten, «dass tatsächliche Missstände wie Unterrichtsausfall und zu große Klassen nur den Vorwand liefern sollten, um stramm ideologische Ziele wie die Zerschlagung des gegliederten Schulwesens und die weitgehende Abschaffung angemessener Leistungsanforderungen durchzusetzen», teilte Sprecher Wolfgang Kuert mit. An der Aktion seien auch linksradikale Schülergruppen maßgeblich beteiligt.



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